Donnerstag, 13. September 2012

Kandersteg

Langsam lichten sich die Wolken und ich seh den Schnee auf den Bergen. Ein bitterkalter Wind weht schon noch.





Beim Versuch einen feinen Knochen und eine Dauerwurst zu erstehen, erfahre ich vom Metzger, dass mal der Pfarrer an einem Sonntag bei ihm angerufen habe. Dann wolle er gewöhnlich etwas von ihm. Er spiele noch hobbymässig Orgel in der Kirche. Ein Pilgerer sei gekommen, habe bei ihm übernachten wollen, habe ständig den Rosenkranz gebetet. Er habe im dann einen Znacht spendiert, das Hotel bezahlt und eine Fünfzigernote gegeben. Der Pilgerer mache das, weil er seinen Sohn vom Krebs retten wolle. Die Katholiken vom Dorf täten den Papst nicht so ernst nehmen und er versuche auch einfach gut zu den Leuten zu sein. Schlussendlich schenkt er mir noch einen handgemachten Servelat (mit Luftblase) für den Hund. Hier komme halt alles ausgebeinelt, wegen den EU -Vorschriften, nur die Därme, die kaufe man von Weissgottwoher.


Ich freu mich schon jetzt morgen irgendwo in der Höhe auf einem "Wiesli" die Wurst zu picknicken.

Es gibt niemanden, der nicht isst und trinkt,
aber nur wenige die den Geschmack zu schätzen wissen.
                                                                                             Kung Futse (551-479 v. Chr.)


 
 
 

Mittwoch, 12. September 2012

Öschinensee

 Webcam



Massenlager :

Doch es kam schlimmer - Ich wurde den Gedanken nicht los, auf  Deck einer Fähre zu liegen. Mit dem Unterschied, dass es nicht nach Diesel roch und ich mich anderntags nicht auf einer schönen Griechischen Insel bei Sangria wiederfinde, sondern am Regen überströmten, nebelverhangenen Öschinensee. Das gesammte öschinenseesche Notstromaggregat musste sich unter unsern Betten befinden...

Als Pünktchen auf den i begann der nebenan in der Früh wie wild zu schnaufen, war das der Zucker oderwas? Gut habe ich einen grossen, schwarzen Hund mit mörderischen Gebiss dabei, wohlverstanden, "die tut nix", aber gebellt hat sie. Ich schlaf dann trotzdem nochmals ein.
Das feine, frische Brot entschädigt für den Lärm ein wenig, bis die alten, stinkenden Fischer mit einem BMI von mindestens 35 kommen: Kehliges Gelächter und anzügliche Sprüche über die Serviertochter, wenn sie weg ist. Noch kehligeres Gelächter mit fast würfelartigem Auswurf.
Petri heil zu wünschen erübrigt sich, die bleiben sitzen.



Wir begeben uns in den strömenden Regen und wandern entlang dem braunen, polternden Öschinenbach nach Kandersteg. Dort finde ich, aufgrund einer geschickt gestellten Frage auf der Blüemlisalp, das Hotel, das keine meiner Wünsche offen lässt und eine Reise nach Hause hinfällig macht.
Die Belegschaft spricht Österreichisch, denen muss man eben nicht mit teuren Kursen Gastfreundschaft beibringen. Und das erst noch mit einem nassen (schon mal gerochen?) Hund.
2000 m Höhendifferenz hätten mir zur Zeit vermutlich weniger zu schaffen gemacht, als hier wegen Regen und Schnee fest zu sitzen.
Und dann tat ich, wass ich in solchen Fällen immer zu tun pflege: Ich warf mich in ein überhitztes Vollbad.

Dienstag, 11. September 2012

Blüemlisalp



 

Im Naturfreundehaus auf der Griesalp ists hübsch und das Inventar klein-kariert. Unsere Heidi hätte ihre helle Freude daran. Das Wetter wird sich ändern und deshalb haben wir eine tüchtige Tour vor:
auf die Blüemlisalp und dann nach Kandersteg.


 

Lustige Alpacas schauen uns ganz neugierig unter dem bekannten Golderli nach.

Im Wald stehen Tafeln der Sagen vom Bärenpfad.
Stetig gehen wir wieder oppsi, was wir gestern auf der gegenüberliegenden Talseite nizzi gegangen sind. So ist die Via Alpina!


 
 
Langsam weicht das Grasland den Geröllhalden.














 

Bis der Steinschlag gröber wird und man mittels Tafeln aufgefordert wird, zügig weiter zu gehen.
 

Schon nähern wir den ersten Schneefeldern.


 
 

Die letzten Höhenmeter nach dem Hohtürli, machen wir ganz langsam, sind mitunter fast 400 Treppenstufen zu bewältigen.


 

Entlohnt wird man aber einmal mehr mit einer prächtigen Aussicht auf zwei Seiten. Und da ist die Hütte auf fast 3000 m zu sehen.



Die Berge um die Blüemlisalphütte: Wilde Frau, weisse Frau und Jungfrau. Hier trifft man die Gletscheralpinisten.


 

Nach einer Pause bei wärmender und kräftigender Suppe gehts steil nach unten.


 

Der Blick zur linken Gletscherseite ist atemberaubend. Wir können Zuschauer und Zuhöhrer werden von einem Schnee- und Felssturz beim Gletscher.




Sobald die Grasfelder wieder zu sehen sind, sieht man auch schon den wunderschönen Öschinensee.

 
Leider beginnt nun ein heftiges Gewitter.

 Unten am See angelangt, stehen Skulpturen.

Ich cheque mich im Massenlager ein, weil ich plötzlich gar keine Lust mehr habe, so noch eine weitere Stunde, bis nach Kandersteg zu laufen und dort nach 6 Uhr noch eine Unterkunft zu suchen. Das Essen ist fein, das Massenlager zügig  und kalt. Mit mir übernachtet noch ein Paar aus Berlin. Sie entdeckt angrenzend noch ein Massenlager, welches schön geheizt ist und vermutlich von einem Fischer belegt ist. Wir erlauben uns, die nassen Schuhe und Kleider dort auf zu hängen.
In der Hoffnung er schnarche nicht, legen wir uns hin.


Montag, 10. September 2012

Sefinenfurgge

  Prima im Jägerstübli ausgeschlafen, starten Hailey und ich wieder aufwärts.



 
 

Beim Aufstieg auf die Sefinenfurgge (2612m) entdecke ich eine Gruppe von etwa 15 Steinböcken. Wild bäumen sich drei davon jeweils gegen einander auf und das Aufeinanderprallen ihrer mächtigen Hörner hallt in den Felsen.


 

Ich bin fasziniert und könnte noch lange zuschauen.



Die Sefinenfurgge selber ereöffnet beim Übergang wieder ein Mal mehr einen prächtigen Ausblick!
 


Danach geht es steil die Holztreppe mit Fixseilen der Nordwestseite entlang hinunter.



Die Geröllhalde wechselt bald in fruchtbare Alpweiden mit herrlichen Bächen. Beim oberen Dürrenberg stürzt ein faszinierender Wasserfall über die bedrohliche Felsbarriere.



Wir verbringen die Nacht im Naturfreundehaus auf der Griesalp.

Sonntag, 9. September 2012

Mürren

Bei unserm Frühstück mit echt originellem (statt originalem) Sonntagszopf platzt die Nachbarin Frau Iseli noch herein und erzählt von ihrem tollen Konzert:
 
 
Dann hiess es "hurti schnau" was soviel heisst wie "seeehr gemütlich" packen und ab nach Thun und dann bis Interlaken ost(!). Viel Beachtung haben wir  mit dem berucksacktem "Hündli".

Zum Glück waren bis auf eine ältere Dame, hier alle bergtauglich und trittsicher, so konnte Hailey gemütlich mitten im Gang liegen bleiben. Später dann, in der Bahn von Interlaken nach Lauterbrunnen wurde es ungemütlich voll und schätzten wir uns glücklich, gleich nach dem Führerstand ein abgetrenntes Bänklein benutzen zu können.


In Lauterbrunnen bereitete man sich schon mit Musik aus Lautsprechern vor auf den Einzug der ersten Läufer. Wir begaben uns auf die andere Talseite steil aufwärts. Nur von weitem war das Anspornen, die Pauken und Trompeten zu höhren. Später dann vernahmen wir den Böllerschuss nach dem ersten Zieleinläufer: 2. 50 !!! Unglaublich für 42 km steil hinauf.

 


 Mönch

Oben vor Mürren ist der Panoramaweg mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau fantastisch. Übrigens soll der Mönch die Jungfrau vor dem Eiger beschützen, erzählt man sich hier.



Nach 3 1/4 Stunden Aufstieg, in Myrren, säumen die tollen Hotels den Weg und wen treffe ich hier wieder? Die Engländer. Gemütlich auf ihrer Terasse geniessen wir den Sonntagnachmittag. Sie haben einen Ruhetag eingeschaltet, nachdem sie durch den Jungfraumarathon etliche Umwege zu prestieren hatten und sich vom ganzen Lärm erhohlen müssen.




Wir gehen noch 2 1/4 Stunden weiter, dabei zuerst beachtlich aufwärts, insgesammt sind es heute etwa 1200 Höhenmeter, zur Rotstockhütte.



Hier ist full House angesagt: Da sind Wanderer aus Amerika, England, Deutschland, St.Gallen und zwei Basler. Kein Wunder, hier ist es echt gemütlich und gut gekocht wird obendrein.

Die beiden Basler sind ab heute auch auf der Via Alpina. Ihr Motto ist: von Hütte zu "Hütte" und wo es eine Bahn hat, wird die genutzt. Denn sie sind nicht mehr ganz jung dafür mit dem Mundwerk umso mehr "sprützig". Also der Ruedi ist zuständig für die Sprüche und der Jean-Pierre für die Karte. Es kommt auch mal vor dass die beiden die Rollen tauschen, dann wirds ganz heiter.


Samstag, 8. September 2012

i stuune bloss

 
Der heutige Tag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Er begann wiederum mit prächtigstem Panorama.






Das Frühstück im geschlossenen Raum mit Bedienung aus Taiwan hätte gerade so gut auf dem Fujilama sein können.



Mit der Bahn gehe ich nach Alpiglen. Zusammen mit den Fahnenschwingern und Alphornbläsern, die bei Km 20 die Jungfrau-Marathonläufer anfeuern werden. Statt auf der Via Alpina, gelange ich über den Eigertrail zur kleinen Scheidegg.


Es überholt uns Hugo. Hugo, ist Bergführer bei der SAC Sektion Weissenstein und kommt aus Solothurn. Er kennt hier jeden Aufstieg und jede Hütte. Hugo, er könnte gerade so gut Hero heißen, hat den Jungfraumarathon 10 Mal gelaufen und möchte dieses Jahr nur etwas von der Atmosphäre mitbekommen. Wie er sich vorbereitet hat: übers Wochenende Bergtouren, 1 Mal pro Woche in der Läufergruppe und 1 Mal selber joggen. Dazu gehöre auch eine motivierende Gruppe.

 

Beim Einkehren bin ich dann schon erstaunt, als er mir seine ungenutzte Startnummer zeigt!? Er sei sich unschlüssig gewesen und vieles habe dann doch nicht gepasst.


Und er ist erstaunt, als der Welsche Eric mich aus dem Zug grüßt und auch die beiden Engländer uns über den Weg laufen.

Und nun hören wir den Zieleinlauf der ersten Marathonläuferin: 3h22 ! für 42 km bei praktisch größtmöglicher Höhendifferenz und großer Hitze. Wir stellen uns auf bei der höchsten Stelle des Laufes, bei ca. km 40. Dort spielt alle Jahre ein Herr in voller Montuhr Dudelsack, man hört ihn von weitem.
 

 


Die Sportler kommen noch größtenteils locker daher. Das Durchschnittsalter extrem hoch und meine Bewunderung stark. Das Spektakel ist riesig nehmen doch tausende Personen teil.

 
Ja - mit einer Medaille am Hals, nach Dusche und Dul-X-Zelt, würde ich mir auch die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.


Der Weg hinunter zieht sich für Hailey und mich, wegen der Wärme, dann doch recht. Sie verdrückt sich unter eine Bank. Aber an eine Bahnfahrt ab Wengen ist nicht zu denken, da jeder Wagen übervoll mit Marathonläufern und deren Begleitungen ist.
In Lauterbrunnen
habe ich mich mit meiner Schwester und ihren Jungen aus Thun verabredet. Zuallererst essen wir zusammen Pizza.


Und wer sitzt neben uns? Ich kann es kaum glauben! ?! Die beiden Männer, meines Erachtens die Stars des gesamten Laufes:


Der Holländer, Henk-Jeroen van Groningen Schinkel (2.v rechts) ist blind , zusammen mit seinem Laufpartner Jan Breembroek (rechter Arm mit orangem T-Shirt),hat er den Lauf zum zweiten Mal  absolviert. Und das nicht für Ruhm und Ehre, nein -  er sammelt für Ausbildungsplätze für Kinder in Uganda.
Ich bin tief beeindruckt, und freue mich natürlich, ihm das sagen zu können.

Die Nacht darf ich bei meiner Schwester verbringen und überlasse Lauterbrunnen den Läufern.
Sie steht gerade mitten in den Proben für die Aufführung vom 15. September der
WESTSIDE SINGERS in Bern.

Freitag, 7. September 2012

Grindelwald


Auf diese Etappe war ich schon gespannt. Es ging wiederum durch einen herrlich märchenhaften Wald, dann über Alpweiden zur grossen Scheidegg.


Hier fahren nur Postbusse hinauf und um die vielen Biker nicht um die Kurve zu erschrecken, hört man regelmässig "tütatoo".

Man trifft hier auf malende Japaner, abgedrehte Marathonläufer und freundliche Einheimische. So eine ist Anita mit ihrem Border-Goldie-Hund Luna. Gemütlich wandern wir talabwärts und ich kann sie verschiedenes über Land und Leute fragen.


Der Gletscher, an dem wir vorbei kommen, sei noch viel weiter hinunter gegangen, mag sie sich erinnern. Und mir kommen all die Südseeinselbewohner in den Sinn, deren Boden in den kommenden fünf Jahren weggespült wird.


Beim Alpenvogelpark kehren wir in das allerliebste Beizli mit Europas bester Aussicht ein. Der Weg nach Grindelwald verläuft abwechslungsreich.


Schon bald sind wir mitten im Touristenstrom.

 
Der Hotspotfinder auf meinem iPhone erweist sich als nutzlos. Beim Touristoffice wollen sie 5.- pro halbe Stunde und die drei- und vier-Sterne Hotels ermöglichen den Zugang nur ihren Gästen. Schliesslich finde ich ein sympatisches Restaurant,namens Avocado, Australisch angehaucht, Sofas und viel Musik, wo freewlan kein Thema ist. So freue ich mich, den gestrigen Bericht veröffentlichen zu können. Um fünf fahren wir hoch auf den First, da von dort die Aussicht auf die weltweit schönsten Berge am besten ist, und die Übernachtungen unten eher teurer sind. Oben angekommen, werde ich von Louis und Ueli in einen Disput über Hundeausbildung verwickelt.


Die zwei Grindelwäldner, sind wirklich aus gutem Holz geschnitzt, haben vor, hinunter zu fliegen mit ihren Gleitschirmen. Diese wiegen ca. 9kg der eine und 30kg der andere. Leider kann ich nicht mitfliegen, dafür kommen der Welsche Eric, der auch hier eingetroffen ist, und ich in den Genuss ihrer Gastfreundschaft. Die Stimmung ist hoch und ihr "Juchzen" in freien Lüften von Herzen!

Wir juchzen zurück.