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Montag, 17. September 2012

Col de Jable

 
 

 
 
Ja ich habs getan. Heute als erstes. Kaum war ich aus dem Rössli. Nein, nicht hochhackige Schuhe , auch kein Euphoria von Calvin Klein und auch keins dieser schlicht eleganten, aber sündhaft teuren Kleider gekauft, sondern simpel und einfach doch noch einen Deo - und obendrein dazu drei Muster Perskindol bekommen!?! Von jetzt an wird's Wellness... Klar, ist mir bewusst, dass ich hiermit wieder drei Punkte auf der Outdoortauglichkeitsliste verlier, aber ich nimms hin.



Am Waldrand finden sich Pilze wie aus dem Bilderbuch.



Entlang der Egglibahn, die nur im Winter betrieben wird, schlängelt sich der Weg durch einen herrlichen Wald nach oben. 



Bald riecht es, wo ganz viel Holz am vermodern ist, fast so wie wenn man gerade spanische 1. Klass- Pilze am kochen wär. Herrlich!

 




Wir kommen nach Ober Motzi, wo kein Mensch am motzen ist und auch im weitern Verlauf der interessanten Strecke über Hinder Eggli und Wildboden kaum jemand unterwegs ist.



Nur Hailey findet im Gebüsch fette Beute: eine ausgenommene Gemse die vermutlich für den Fuchs "entsorgt" wurde. Später überschreiten wir dann auf dem Übergang Col de Jable auf 1884 m die Sprachgrenze.


Er ist auch zugleich Wasserscheide und Kantonsgrenze.


Eine Aussichtsreiche Strecke und anschliessend wieder wilder Wald führt uns schliesslich zur hübschen Kapelle von L'Etivaz. In diesem 6 - Häuserdorf gibt es auch ein Hotel. Ich cheque mich ein, bin dann aber etwas perplex über den Preis.Verraucht, uralt und verstaubt, als wärs in einem verlassenen Goldgräberstädtchen. So sitze ich dann in diesem Hotelzimmer,im Sessel, den Schlüssel in der Hand und es passt mir einfach nicht. So informiere ich mich über das Hotel im nächsten Dorf auf dem Berg in La Lécherette und schaue nach, ob es eine Busverbindung dorthin gebe. Es gibt genau noch eine in einer Stunde. Mein Entscheid ist schnell gefällt. Gehe runter und verkünde: "Excusez moi, j'ai change d'idee etc." "Ah oui, pas de soucis, aucun problem." Ich habe fast das Gefühl, die sind froh, wenn sie nichts zu tun haben. Die ganze Hütte war nämlich leer, aber er musste doch seine Frau ganz wichtig fragen, ob denn noch ein Zimmer frei sei!?!
Als einzige Gäste im Bus sind wir in 10 Minuten in La Lecherette. Wir steigen aus vor dem Hotel und wer sitzt da am Fenster und lässt sichs gut gehen? Die beiden Basler von der Rotstockhütte. Welch eine Überraschung!  Herzliche Begrüssung und feines Abendessen mit etlichen Geschichten unter dem Motto: Was seither geschah: An dieser Stelle muss ich noch korrigieren, dass der Ruedi ein waschechter Berner ist, aber in Basel wohnt.

 Käsetücher am trocknen

Wir sind alle drei tief beeeindruckt, wie anders alles sein kann im nächsten Tal. Hier komme ich mir schon fast wie in Frankreich vor. Oh ja, fast hätte ich mich heut Abend, nach der Dusche, vergessen zu odorieren...

Sonntag, 16. September 2012

Trüttlisbergpass

Im Morgengrauen herrscht im KUSPO schon rege Vereinstätigkeit: Die braun-grün-gemusterten mit ihren schwarzen Fahrrädern waren nachtaktiv, die rhythmischen Gymnastikereinnen schwingen ihr Chicoreetäschlein, die Leichtathletikerinnen springen mit Kniebandagen herum, die mit den knappen Höschen studieren eine Bikestrecke heraus und die mit den schwarzen Puffärmelchen suchen sich den nächsten Hügel, die Alphornbläser haben auch Trainingswochenende, um dann in tiefster Bauchatmung herunter zu hornen. Die Roten frühstücken nach mir. In der Küche schepperts gewaltig und dem Verantwortlichen wird unmissverständlich, und das ohne jegliche Konjugation, klargemacht wie es hier läuft. Der Hauswart mit der Zahnlücke, der seinen Malinoi zum Schutzhund ausbildet, ist am rauchen. Und wir trotten der Simme entlang wieder nach Lenk.





Beim Aufstieg im Wald am Bach, bin ich mir nicht sicher, ob sich mir die Eierstöcke drehen, jede Menge Kolibakterien im Darm streiten, von denen es ja in 8 von 10 Brunnen haben soll, oder eine eingeschränkte Fettverdauung mich plagt. Man stelle sich vor: Fischknusperli aus der Grossküchenfriteuse...



Zum Glück legen sich dann die Unruhen. Trotzdem gehe ich es heute gemächlich an.

Wir befinden uns im Luchsgebiet, wie uns Tafeln informieren. Sehen zwar keinen Luchs, dafür ein wunderschönes Reh.  Nach dem hübschen Berghaus Wallegg, wo man eben nicht wie beschrieben übernachten kann, was jammerschade ist, reihen sich die Lenker Bergbahndirektoren, am Waldrand, fein säuberlich in Holz geschnitzt, auf.



Der Trüttlisbergpass (2098m) eröffnet heute eine total kitschige Rundumsicht vom Eiger bis zu den Rochers de Naye.

 

Danach geht es durch das lange Turbachtal. Mit einem fast abendländischen Fatalismus, wandere ich gemütlich vorwärts. Fotografiere hier und schwatze da.



 

Und just in dem Moment wo wir, nach 6 Stunden Wanderzeit, in Turbach ankommen, hällt das Postauto an. Hailey, ein absoluter öv-Fan, freut sich riesig und ich habe wieder ein Mal mehr das Gefühl, dass mir die gebratenen Tauben direkt ins Maul fliegen. So ersparen wir uns eine weitere, vermutlich sehr lange, Stunde nach Gstaad. Mit dem Bus rauschen wir an den millionenschweren Chalets vorbei.


In Gstaad freuen sich zwei an den Chihuahuas mit den pinken Mäschchen im Haar. Nur schade, dass diese dann augenblicklich in den Louis Vuiton-Taschen verschwinden. Vor lauter Etepetete, Botox und Coco de Chanel frage ich mich, und das zum ersten Mal, ob ein Deo ein zu packen wohl doch nicht purer Luxus gewesen wäre...